Wer einen Baum pflanzt, erwartet keine Früchte am nächsten Tag. Zwischen Pflanzung und Ernte liegen Jahre der Geduld und Pflege, die nicht einfach „umgangen“ werden können. An der Börse gibt es eine Strategie, die einem ganz ähnlichen Prinzip folgt: den Buy-and-Hold-Ansatz. Hier geht es darum, Wertpapiere zu kaufen und sie über einen langen Zeitraum zu halten – unabhängig davon, wie turbulent es zwischendurch zugeht. Der Börsenaltmeister André Kostolany brachte diesen Gedanken einst mit dem folgenden Rat auf den Punkt, „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Was hinter diesem Prinzip steckt, wie es funktioniert und wo seine Grenzen liegen, erläutert die DSS Vermögensverwaltung in diesem Beitrag.
Was bedeutet „Buy and Hold“?
Der Begriff „Buy and Hold“ stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich „kaufen und halten“. Gemeint ist damit eine passive Anlagestrategie, bei der Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere erworben und über einen langen Zeitraum im Depot belassen werden. Der strategische Part des Ansatzes besteht hautsächlich darin, sich von dem aktuellen Geschehen an den Börsen nicht beirren zu lassen und die Haltestrategie selbst bei stärkeren Kursschwankungen beizubehalten.
Damit unterscheidet sich die Buy-and-Hold-Strategie insbesondere von aktiven Trading-Ansätzen. Anders als beispielsweise beim Daytrading, bei dem Papiere innerhalb von kürzesten Zeiträumen gekauft und wieder verkauft werden, verzichten Anleger hier ganz bewusst auf häufiges Handeln. Der Gedanke dahinter ist doppelt eingängig: Zum einen werden durch die lange Haltedauer die Kosten vermieden, die durch wiederholtes Kaufen und Verkaufen entstehen. Diese Kosten schmälern die Rendite, weshalb die DSS Vermögensverwaltung der Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ ebenfalls bereits einen Beitrag gewidmet hat.
Gleichzeitig profitieren Anleger, die Schwankungen ignorieren, von dem grundsätzlichen Aufwärtstrend der Märkte. Denn die breiten Aktienmärkte sind auf lange Sicht historisch stets gestiegen. Aktienbesitzer, die auf Dauer investiert bleiben, nehmen diese langfristige Wertsteigerung mit, statt in Krisen gegebenenfalls mit Verlust zu verkaufen.
Wie Anleger die Buy-and-Hold-Strategie umsetzen können
In der Praxis lässt sich der Ansatz auf unterschiedliche Weise umsetzen. Wer auf einzelne Aktien setzt, geht das Risiko ein, dass sich ein bestimmtes Unternehmen über die Haltedauer schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Breiter gestreute Instrumente wie Fonds oder ETFs, etwa auf den MSCI World oder den DAX, bündeln hingegen Anteile vieler Unternehmen, Branchen und Länder in einem einzigen Wertpapier. Schwankungen einzelner Titel gleichen sich über die Zeit gegenseitig aus, was das Gesamtrisiko im Vergleich zu einer einzelnen Aktie senken kann.
Die Stärken und die Grenzen des Ansatzes
Befürworter der Buy-and-Hold-Strategie stützen ihre Meinung vor allem auf die historische Entwicklung der Aktienmärkte: Über lange Betrachtungszeiträume haben breit gestreute Aktieninvestments trotz zwischenzeitlicher Einbrüche beispielsweise durch die Finanzkrise 2008 stets positive Renditen erzielt. Das dafür benötigte Durchhaltevermögen kann jedoch eine Herausforderung darstellen, denn dieses ist gerade dann gefragt, wenn es am schwierigsten ist: wenn die Aktienmärkte in Aufruhr geraten und die Investments gegebenenfalls Verluste einfahren. Hier fällt es vielen Anlegern ausgesprochen schwer, an Positionen festzuhalten, deren Kurse gerade abrutschen. Doch die ruhige Hand hat sich in der Vergangenheit meist ausgezahlt.
Kritisch hinterfragt wird bei dem Ansatz jedoch derzeit, ob ein über Jahre unveränderter Anlagehorizont noch zum gegenwärtigen Marktumfeld passt. Manche Marktbeobachter – darunter auch die Partner der DSS Vermögensverwaltung – argumentieren, dass sich Branchen und Geschäftsmodelle heute schneller wandeln als noch vor einigen Jahrzehnten. Ob ein Unternehmen im Depot in zwanzig Jahren noch dieselbe Marktposition einnimmt wie zum Kaufzeitpunkt, lässt sich entsprechend schwerer vorhersagen. Das schränkt den praktischen Nutzen von Buy and Hold zumindest teilweise ein.