Manche Bilder aus der Geschichte erweisen sich als erstaunlich langlebig. Der kalifornische Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts ist so eines. Während von jenen, die im Gold ihr Glück suchten, nicht unbedingt alle reich wurden, gab es eine Gruppe, die fast sicher an dem Rush verdiente: die Händler, die den Goldgräbern Schaufeln, Siebe und Co. verkauften.
Dieses über 170 Jahre alte Bild erlebt gerade eine Renaissance, und zwar mitten in der Debatte rund um künstliche Intelligenz. Was es mit dem Begriff „Schaufelverkäufer“ auf sich hat und warum er im KI-Kontext so häufig auftaucht, möchte die DSS Vermögensverwaltung in diesem Beitrag etwas näher beleuchten.
Was hinter dem Begriff steckt
Der Ausdruck „Schaufelverkäufer“ – im englischsprachigen Raum oft als „picks and shovels“ bezeichnet – beschreibt Unternehmen, die nicht selbst an einem Boom teilnehmen, sondern die Voraussetzungen dafür schaffen. Sie liefern das notwendige Werkzeug oder die Infrastruktur und profitieren so von einem Trend, ohne unmittelbar selbst beteiligt zu sein.
Genau dieses Muster findet sich derzeit im Aufschwung rund um die KI wieder. Hier sind es beispielsweise die Hersteller von Hochleistungschips, Betreiber von Rechenzentren oder Anbieter von Kühlsystemen, Strominfrastruktur oder Betriebssoftware, die als moderne „Schaufelverkäufer“ agieren. Sie schaffen unverzichtbare Grundlagen, ohne die in der Welt der großen KI-Modelle nichts wirklich laufen würde.
Warum das Konzept für Anleger interessant ist
Der Gedanke hinter der Schaufelverkäufer-Strategie ist bestechend einfach: Wer letztlich das KI-Rennen gewinnen, welches Modell, welcher Tech-Konzern die Nase vorn haben wird, ist schwer vorherzusagen. Eines steht hingegen fest: Sämtliche Wettbewerber brauchen dieselbe Grundausstattung. Sie alle benötigen Rechenleistung, Energie, Kühlung und Speicher – und der Bedarf wächst mit jedem neuen Modell.
Wie die DSS Vermögensverwaltung anmerkt, steckt in diesem Denkansatz auch eine gewisse Risikoüberlegung: Wer auf einzelne mögliche KI-Gewinner setzt, kann viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Wer dagegen auf die Zulieferer setzt, diversifiziert seinen Einsatz über das gesamte Feld der KI-Nachfrage hinweg.
Was die „picks and shovels“-Strategie nicht leistet
So eingängig das Bild des Schaufelverkäufers ist, so wenig taugt es als Automatismus. Denn auch unter Infrastrukturanbietern gibt es erhebliche Unterschiede, etwa in der Wettbewerbsposition, in der Abhängigkeit von wenigen Großkunden und in der Frage, wie dauerhaft ein technologischer Vorsprung ist. Wer heute bei Chips oder Rechenzentren eine Schlüsselrolle innehat, kann morgen durch neue technische Entwicklungen oder eine veränderte Nachfrage unter Druck geraten. Zudem binden gerade Investitionen in Infrastruktur oft über Jahre Kapital, bevor sich zeigt, ob die zugrundeliegenden Annahmen sich bewahrheiten. Die „picks and shovels“-Strategie beschreibt also eine Denkrichtung und keine Garantie für die Auswahl heutiger und künftiger Profiteure des KI-Booms.